Senioren Treffen donnerstags

Ein Porträt im Spiegel ihrer Projekte

Wenn der zehnjährige Enkel seinen Großvater beim herbstlichen Abendspaziergang fragt, „Opa wieviel Sterne gibt es denn eigentlich“, dann antwortet Opa „ungefähr 10 hoch 22“ und erklärt dem Kleinen dann auch noch wie diese Zahl zustande kommt und was sie bedeutet, wie Potenzzahlen multipliziert werden und wie die Himmelskörper im Weltall verteilt sind. Der Großvater weiß das alles so genau, weil er zusammen mit 15 Gleichgesinnten regelmäßig am Donnerstag in den Computerclub gekommen ist und sich mit dem Planetariumsprogramm Stellarium auseinandergesetzt hat.

Wenn Oma morgens nach dem Kaffee die Zeitung aufschlägt und das Kreuzworträtsel löst und mal wieder nach der Bezeichnung eines bestimmten Jupitermondes sucht, dann schaltet sie ihren Laptop ein, startet Stellarium, zoomt auf

den Jupiter und kann in Echtzeit beobachten, wo welcher Jupitermond sich gerade aufhält und wie er benannt ist oder welche Konstellation der Jupitermonde Galileo Galilei gesehen hat, als er am 7. Januar 1610 sein Fernrohr auf diesen Planeten gerichtet hat.

Die Donnerstagsgruppe hat sich intensiv mit dem Planetariumsprogramm Stellarium auseinandergesetzt und sich Begriffe wie Ekliptik, Himmelsäquator, Planetensystem, Keplersche Gesetze, Frühlingspunkt, Sonnen- und Mondfinsternis erarbeitet und diese Begriffe mit Hilfe des Programms visualisiert. Zum Abschluß dieses Themas ging es dann Anfang April mit 17 Teilnehmern in den Hamburger Stadtpark, um einmal ein professionelles Planetariumprogramms im Betrieb zu sehen.

Können Senioren, die vorher nie etwas von CAD Computer Aided Design gehört haben, sich mit einem CAD-Programm vertraut machen? Ja sie können das, denn alle kennen LEGO und wissen wie man aus einer endlichen Anzahl von Bausteinen in verschiedenen Formen und Farben ein Gebäude, ein Fahrzeug oder eine ganze Phantasiewelt aufbauen kann. Das Programm LegoDigitalDesigner hat alle Wesenszüge eines professionellen CAD-Programms. Unsere Seniorengruppe hat damit intensiv gearbeitet und konnte zu Weihnachten den verblüfften Enkeln erklären wie man ein Lego-Modell am Computer erstellt, die Stücklisten ausdruckt oder sich berechnen läßt, welche Lego-Kästen erforderlich sind, um das selbst entworfene Teil real zu bauen. Leider hat Lego inzwischen die Auslieferung von Baukästen, die genau die für den eigenen Entwurf benötigten Teile enthalten, eingestellt.

Während die beiden bisher beschriebenen Programme eher Episoden am Rande waren, so lag der Schwerpunkt wie im Vorjahr in der Bildbearbeitung mit GIMP d.h. GNU Image Manipulation Programme, kostenlose Software wie übrigens alle anderen verwendeten Programme. Mit GIMP lassen sich sowohl einfache Bearbeitungsaufgaben mit einem großen Satz an Werkzeugen erledigen als auch komplexe Prozesse mit Hilfe von Auswahlen, Filtern, Pfadwerkzeugen und Ebenentechnik bewältigen. Die in der Gruppe bearbeiteten inzwischen ungefähr 40 Übungsaufgaben zu GIMP wurden wie eine Rezeptesammlung dokumentiert, so dass man auch später bei Bedarf immer wieder darauf zurückgreifen kann und seine Bildbearbeitungsaufgabe anhand einer Beispiellösung angehen kann.

Wie man im Anschluss an die Bildbearbeitung seine besten Ergebnisse in einem Fotobuch zusammenfasst und gestaltet, hat die Gruppe in den Übungen mit CEWE Fotobuch und einigen alternativen Fotobuch-Programmen kennengelernt. Abgerundet wurde das Thema Fotografie mit einer Einführung in die Bilderverwaltung. Wenn jemand z. B. 30000 Fotos auf seiner Festplatte hüten möchte, ist einzusehen, dass eine ordentliche Betitelung, Verschlagwortung, Namenszuordnung mit Hilfe der automatischen Gesichtserkennung und Eingabe von Geo-Koordinaten hilfreich sein kann. Nur so findet man dann ein Foto, dass man irgendwo im Gedächtnis hat, mit wenigen Klicks wieder. Windows Live Fotogalerie war für diese Aufgabe das Programm der Wahl.

Wer heute noch auf althergebrachte Weise seinen Fernseher nutzt, ärgert sich gelegentlich weil er/sie auf eine Sendung verzichten muss, da es noch wichtigeres gibt als pünktlich vor dem Fernseher zu sitzen. Jetzt hat man natürlich die Möglichkeit auf der Internetseite des entsprechenden Senders das Video herunterzuladen und anzuschauen. Bei dieser Methode hat man sich dann im Laufe der Zeit mit der Seitenstruktur von 20 und mehr Sendern auseinanderzusetzen. Besser kommt man zurecht mit dem Programm Mediathekview, das alle abrufbaren Sendungen aller öffentlich rechtlichen Sender in einer Liste zusammenfasst. So kann man auf einen Blick und mit wenigen Klicks ein vollständiges Abendprogramm zusammenstellen. Mit Mediathekview haben die Mitglieder jetzt auch diese Möglichkeit.

Hand aufs Herz! Wer kann von sich behaupten, dass er das Regelwerk für Autofahrer oder auch Fußgänger im Straßenverkehr bis ins Detail beherrscht. Im Laufe der Jahre hat es Ergänzungen und Änderungen gegeben, die den Verkehrsteilnehmern, die nicht taufrisch aus der Fahrschule kommen, nicht so präsent sind. Unsere Gruppe hat deshalb den Führerscheintrainer 3D, eine kostenlose Version aus dem Franzis-Verlag, genutzt, um sich für die heutigen Anforderungen fit zu halten. Das es auch bei genauer Kenntnis der Regeln häufig klüger ist, nicht nach den Regeln zu handeln und gelegentlich auf die Vorfahrt zu verzichten, wissen vielleicht nur diejenigen, die 30 oder mehr Jahre unfallfrei gefahren sind.

Ein Zotero ist kein spanischer Zotenerzähler wie man vielleicht vermuten könnte, sondern der Begriff stammt aus der albanischen Sprache und bedeutet soviel wie „etwas schnell erfassen, bewältigen“. Das Center for History and New Media der George-Mason- University hat ein mächtiges Literaturverwaltungsprogramm mit diesem Namen entwickelt. Es wird häufig in der Wissenschaft für die Erstellung von Literaturlisten verwendet. Darüber hinaus lässt es sich aber auch sinnvoll einsetzen, um die im Laufe vieler Jahre angesammelten Bücher, Zeitschriftenartikel und alle weiteren Arten von Informationsquellen nach unterschiedlichen Kriterien zu sortieren oder nach einem bestimmten Artikel zu suchen. Voraussetzung ist natürlich, dass man vorher seine Quellensammlung mit Hilfe des Programms eingetippt hat, was verständlicherweise zur Sysyphus-Arbeit ausarten kann. Um diesen Aufwand klein zu halten, gibt es für verschiedene Internet-Browser passende Zotero-Erweiterungen, die immer bei Aufruf einer Quelle alle bibliografischen Informationen wie Titel, Author, Erscheinungsjahr, kurze Inhaltsangabe und viele weitere Informationen aus der Internetseite extrahiert und bei Bedarf per Mausklick in die eigene lokale Zotero-Datenbank übertragen. So reicht es häufig aus, bei Google die ISDN einzugeben, um diese und alle weiteren Informationen in die eigene Datensammlung zu übertragen. Mit Hilfe des eigentlichen Zotero-Programms kann dann die weitere Bearbeitung oder Nutzung der Datensammlung erfolgen. Nach kostenloser Registrierung bei Zotero kann die Datensammlung auch im Web gespeichert werden und von einer Gruppe von Personen gemeinsam genutzt werden. Alle die beschriebenen Funktionen hat die Donnerstagsgruppe erprobt und trainiert. Es gab dann Reaktionen wie „Warum habe ich dieses System nicht schon früher kennengelernt und genutzt!“.

Leider war nicht alles was die Gruppe angefasst hat eine hundertprozentige Erfolgsstory. Sowohl der Windows Mediaplayer als auch der VLC Mediaplayer erwiesen sich in der Gruppenarbeit als äußerst bockbeinig. „Was macht er denn jetzt schon wieder?“ oder „Warum passiert jetzt nichts?“ waren die häufigsten noch druckbaren Zitate. Wenn für den Nutzer dieser Programme eine klare Strukturierung nicht erkennbar ist, helfen auch 20 lustige alternative Skins nicht, die Sache zu verbessern. Die Gruppe hat diese Programme zunächst beiseite geschoben, wird aber nicht kapitulieren und das Thema später wieder aufnehmen.

Um die Beschreibung abzurunden, sollen noch die weiteren Programme erwähnt werden, mit denen die Gruppe im Laufe der letzten 2 Jahre gearbeitet hat. Vielleicht können diese Anwendungen ja in einer späteren Ausgabe dieses Blattes noch ausführlicher besprochen werden.

  • GRAMPS, ein Programm zur Pflege eines Familienarchivs
  • Skype, die Microsoft-Variante der kostenlosen Bildtelefonie
  • Audacity, ein Programm zur Bearbeitung von Audiodateien
  • Phonostar, Internet-Radio und Podcast vieler bekannter und unbekannter Sender
  • Apophysis, ein Fraktalgenerator, der auch ohne Mathematikstudium mit etwas Spieltrieb schöne Bilder liefert
  • TrayBackup, ein einfaches Datensicherungsprogramm

Wie soll es weitergehen. Es gibt noch viele weitere unterhaltsame und gleichzeitig anspruchsvolle Programme, die auf Nutzung in der Gruppe warten. In Anlehnung an einen Spruch aus dem Schwäbischen kann man sagen: Wir machen alles, außer Microsoft Office. Denn dieser Bereich ist uns einfach zu dröge. Wer von unseren Senioren will sich schon noch einmal auf eine Sekretärinnenstelle, heute sagt man wohl Teamassistentin, bewerben oder seine Zeit mit der Erstellung einer Doktorarbeit vergeuden. Wenn es denn unbedingt erforderlich ist, gibt es dafür ja wie man weiß kompetente Dienstleister.